Die Braille-Schrift

Louis Braille wurde am 4. Januar 1809 in Coupvray (Seine-et-Marne) als viertes Kind des Sattlers Simon Rene Braille geboren. Im Alter von drei Jahren verletzte sich Braille beim Spielen mit einer Schusterahle am Auge so schwer, dass er erblindete. Kurze Zeit später entzündete sich dieses Auge und in der Folge auch das andere Auge, das ebenfalls erblindete. Der Vater schickte seinen Sohn auf das Pariser Blindeninstitut "Institut des Jeunes Aveugles". Der kleine Louis war mit dem rein mündlichen Unterricht nicht zufrieden und überlegte, eine auch für Blinde lesbare Schrift zu entwickeln. Seine erste Idee, die Blockschrift der Sehenden erhaben für Blinde darzustellen, erwies sich als nicht praktikabel.
Mit 13 Jahren lernte Louis Charles Barbier kennen, der eine für das Militär im Dunkeln fühlbare "Nachtschrift" entwickelt hatte, die aus einem Punkt- und Stichcode und tastbaren Silben bestand. Louis Braille vereinfachte dieses System zu einem Code, der aus sechs Punkten bestand. Nach 16 Jahren der Entwicklung beendete Louis Braille 1825 im Alter von 16 Jahren die Arbeit, die nun auch Zahlen beinhaltete. Aus der Sechsergruppe von Punkten ergaben sich so 63 Kombinationen. Mittlerweile selbst Hilfslehrer an der Pariser Blindenschule, konnte er sich mit seiner Braille-Schrift nicht durchsetzen, ja sie wurde sogar verboten! Louis Braille wurde entlassen, seine Bücher wurden vernichtet.
1844 wurde im Zusammenhang mit der Eröffnung eines neuen Blindenheims in Paris seine Schrift, die mittlerweile auch eine Blindennotenschrift beinhaltete, erneut der Öffentlichkeit vorgestellt. In den Folgejahren wurden die ersten Braille-Druck-Maschinen gebaut, die es ermöglichten, Bücher in Brailleschrift herzustellen. Im Jahre 1850, 2 Jahre vor Brailles Tod, wurde seine Schrift offiziell für den Unterricht an Blindenschulen zugelassen.
Auf dem Blindenlehrerkongress in Paris 1878 wurde die Braille-Schrift offiziell zur internationalen Methode für den Unterricht an Blindenschulen erklärt. Heute ist die Brailleschrift allen Sprachen und Schriften dieser Welt angepasst.