Schweiz

Inhalt eines Blindenbriefes vermutlich als Drucksache unter Streifband aus der Schweiz nach oder über Frankreich. Das Streifband wurde entfernt. Zu sehen ein Grenzübergangsstempel „Suisse 3 St. Louis 3“ vom 20.06.1866, in Paris abgeschlagen auf der mit Erklärungen zur Blindenschrift versehenen Hülle (aus der Sammlung Pasteur Frossard).

Entwicklung der Tarife für Blindensendungen in der Schweiz

In der „Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz betreffend das schweizerische Postwesen, Postordnung, Art. 94 Abs. 1“ vom 15.11.1910 ist zu lesen, dass als Drucksachen, auf die die ermäßigte Taxe anzuwenden ist, auch mit erhabenen Punkten oder Buchstaben versehene Papiere zum Gebrauch der Blinden betrachtet werden. Im Bundesblatt No. 44 vom 2.11.1921 erscheint in Art. 15 erstmalig die Gattung der Blindenschriftsendungen bis 3 kg zur Beförderung zu einer Taxe von 5 Rp. für je 500 g. Ab 1939 gilt diese ermäßigte Taxe auch für den Versand von Blindenschriften-Klischees, von für Blinde bestimmte Tonaufnahmen und in folgenden Jahren auch für andere Datenträger.

Gebührenentwicklung für Blindensendungen ins In- und Ausland:

01.01.1922 je 500 g, max. 3 kg 5 Rp nur im Auslandsverkehr
01.10.1925 je 1 kg, max. 3 kg 5 Rp im In- und Auslandsverkehr
01.09.1935 je 1 kg, max. 5 kg 3 Rp im In- und Auslandsverkehr
01.10.1939 je 1 kg, max. 5 kg  5 Rp. im Auslandsverkehr
  je 1 kg, max. 7 kg  5 Rp. im Inlandsverkehr
01.07.1940 je 1 kg, max. 7 kg  3 Rp. im In- und Auslandsverkehr
01.01.1954 max. 7 kg frei* im in- und Auslandsverkehr

* Luftpost-Zuschläge blieben taxpflichtig!

Laut Postgesetz vom 01.01.1911 erhielten zahlreiche gemeinnützige Organisationen, darunter auch solche für das Blindenwesen, zur portfreien bzw. portovergünstigten Briefbeförderung Portofreiheitsmarken, die mit einer schwarzen Kontrollnummer versehen wurden.
Die Ausführungsbestimmungen zur Vollziehungsordnung I des Bundesgesetzes betreffend den Postverkehr wurden per 14.09.1961 wie folgt ergänzt: 184a - Bei Blindenschriften werden auch die Gebühren für Einschreiben, Rückschein, Eilzustellung, Nachfragen und Nachnahme nicht erhoben.

Portofreier Blindenbrief aus Luzern nach Sulz/Kanton Aargau vom 19.09.1912 frankiert mit einer Gebührenfreiheitsmarke 561 (Blindenfürsorgeverein Luzern)

Blindenbrief aus Wolfgang/Graubünden nach Freiburg in Baden vom 13.07.1914 frankiert zum Drucksachenporto von 5 Rappen

Blindenbrief aus Luzern nach Escholzmatt/Kanton Luzern vom 05.10.1921 frankiert mit einer Gebührenfreiheitsmarke 561 (Blindenfürsorgeverein Luzern)

Blindenbrief als Streifband aus Meiringen/Kanton Bern nach Bern vom 16.05.1930 mit eingedrucktem Wertzeichen zu 5 Rappen/rotlila

Blindenbrief als Streifband eingedrucktem Wertzeichen zu 5 Rappen nach Wollishofen mit Bahnpoststempel S.B.B./Erlenbach (Zürich) vom 04.06.1933, Adresse in der sog. Stacheltypenschrift

Orts-Blindenbrief aus Lausanne vom 30.12.1936 portorichtig frankiert mit 3 Rp

Blindenbrief als Streifband mit eingedrucktem Wertzeichen zu 5 Rappen/grün aus Noirmont/Kanton Jura nach Bern vom 24.12.1937

Auslands-Blindensendung aus Ermenswil, Kanton St. Gallen vom 14.10.1940 an den Verein zur Förderung der Blindenbildung in Hannover-Kirchrode, Deutschland portorichtig frankiert mit 3 Rappen; rückseitig Zensurstreifen der Oberkommandos der Wehrmacht

Auslands-Blindenbrief aus Besazio/Kanton Tessin nach Dolo/Italien vom 02.04.1947 portorichtig frankiert mit 5 Rappen

Portofreier Auslands-Blindenbrief aus St.Gallen/Kanton St.Gallen nach Avenwedde/Deutschland vom 03.12.1958

Portofreier Auslands-Blindenbrief aus Grand Lancy/Kanton Genf nach Halluin/Frankreich vom 29.05.1980

Portofreier Auslands-Blindenbrief des Blindeninstitutes Sonnenberg in Fribourg/Kanton Fribourg an die Blindenschule in Soest/Deutschland mit Bahnpoststempel S.B.B. Schübelbach-Rümikon vom 14.02.1981

Portofreie Luftpost-Auslands-Blindensendung aus Grenchen an die Blindenschule in Soest/Deutschland vom 21.05.1984

Portofreie eingeschriebene Auslands-Blindensendung aus Grenchen an die Blindenschule in Soest/Deutschland vom 21.05.1984

Portofreier Express-Auslands-Blindenbrief aus Grenzen nach Soest/Deutschland vom 21.05.1984, rückseitig Ankunftsstempel Soest 22.05.1984

Vorder- und Rückseite einer portofreien Versandtasche der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte in Zürich (2010) an die Blindenschule in Soest/Deutschland

Portofreie Auslands-Blindensendung mit Handstempel des Briefzentrums 23 Zürich-Mülligen vom 24.09.2018 nach Soest/Deutschland. Der Brief trägt ein Portofreiheits-Label "Blindensendung", das wie auch der mit erhabenen Strichen versehene Umschlag über den Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen, Lenzburg vertrieben wird